Eisenbahnviadukt Rümlingen | Baselbieter Baukultur #4

0

Eine Bahn durchs Homburgertal
Mit der Eröffnung des Hauenstein-Scheiteltunnels im April 1858 war es nun erstmals möglich, mit der Bahn von Sissach nach Olten zu fahren. Wer im Mittelalter von Basel nach Olten reisen wollte, brauchte nicht nur Zeit, sondern auch Nerven. Das Buch «Das Homburgertal: Die Eisenbahn prägt eine Landschaft» nennt die damalige Strasse über den Pass «eine recht abenteuerliche Angelegenheit». Um 1830 wurden die Strassen zwar grosszügig ausgebaut, noch immer aber dauerte die Reise von Basel bis Läufelingen gute neun Stunden; nach Olten gar vier zusätzliche. Doch war die Hauensteinlinie bei weitem keine Anschaffung für den Eigengebrauch, viel mehr war die Strecke ein wichtiger Bestandteil des Europäischen Schienennetzes. Mit der Eröffnung des Hauenstein-Basistunnels zwischen Tecknau und Olten 1916 allerdings, wurde die Bergstrecke gewissermassen degradiert. Von zweien auf ein Gleis zurückgebaut ist sie erst sehr spät elektrifiziert worden. Heute wird verschiedentlich darüber diskutiert, die defizitäre Bahnlinie durch einen Busbetrieb zu ersetzen. Im November 2017 sprach sich die Baselbieter Stimmbevölkerung allerdings für einen Weiterbetrieb bis vorerst 2021 aus.

Eisenbahnviadukt, Rümlingen © Architektur Basel

Eisenbahnviadukt, Rümlingen © Architektur Basel

Eisenbahnviadukt und Stationsgebäude
Die Linienführung der Hauenstein-Bergstrecke verlangte den Bau einiger imposanter Kunstbauten. Neben den verschiedensten Tunnels, allen voran dem 2496 m langen Scheiteltunnel, diversen Brücken, Dämmen und Stützmauern steht vorallem das 128 m lange Eisenbahnviadukt in Rümlingen unverwechselbar für das «Läufelfingerli». Das seitlich in das Homburgertal einmündende Häfelfingertal musste auf 25 m über Boden überquert werden. Heute gehört das Viadukt, seines Zeichens eines der ersten dieser Bauart in der Schweiz überhaupt, zum festen Ortsbild – und insbesondere zum Ortshintergrund dazu. Interessant ist die Kombination mit der Kirche. Zwar überragt ihr Turm das Schienenniveau, bekommt durch die Brücke aber mächtig Konkurrenz. Die Spannung, die zwischen den beiden Bauten entsteht, schadet dem Dorfkern aber keineswegs.

Stationsgebäude, Rümlingen © Architektur Basel

Stationsgebäude, Rümlingen © Architektur Basel

Entworfen wurde das Viadukt vom Deutschen Eisenbahningenieur Karl von Etzel, der ab 1953 als Bauleiter für die Schweizerische Zentralbahn unter anderem auch am ersten Grandfey-Viadukt 1862 zwischen Bern und Freiburg mitplante. Zwischen 1864 und 1867 entstand unter seiner Leitung die Österreichische Brennerbahn. Vorbild für das Rümlinger Viadukt dürften die Kunstbauten der Österreichischen Semmeringbahn um 1854 zwischen Wien und Triest gewesen sein.
Rümlingen selbst bekam seine Haltestelle erst, nachdem der Basistunnel in Betrieb ging. Für die neu erstellten Halteorte entwarf die Sektion Hochbau der SBB Kreisdirektion II unter Friedrich Frey einheitliche, teilweise offene Stationsgebäude im Heimatstil. Obschon heute alle Fassaden geschlossen sind, ist dasjenige von Rümlingen am wenigsten verändert worden.

Eisenbahnviadukt
Funktion: Ingenieurbauwerk, Talquerung
Adresse: Häfelfingerstrasse, 4444 Rümlingen
Baujahr: 1855/56
Architektur: Karl von Etzel
Ingenieure: Carl Friedrich Silber und Friedrich Baumgärtner
Konstruktion: Gemauert
Material: Gelber Jurakalkstein

Stationsgebäude
Funktion: Bahnanlage, Wartehäuschen
Adresse: Bahnweg, 4444 Rümlingen
Baujahr: 1916 (zusammen mit Buckten und Trimbach)
Architektur: SBB Kreisdirektion II (Sektion Hochbau)
Konstruktion: Holz


Text & Fotos:
– © Simon Heiniger / Architektur Basel
Quellen:
– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet: eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0
– Stalder, H. (2012), Das Homburgertal: Die Eisenbahn prägt eine Landschaft, Heimatschutz Baselland, Seiler Print AG, Gelterkinden. ISBN: 978-3-85673-689-7

Teile diesen Beitrag!

Comments are closed.