© Carolina Coelho
In ehemaliger Bürostruktur wird ab sofort gewohnt und musiziert: das «CoDeck» der Kooperative E45
Gemeinschaftlich soll gewohnt werden! Davon zeugt nicht nur die durchgehend verglaste Fassade im Erdgeschoss, sondern vor allem der doppelt so hohe, zentrale Gemeinschaftsraum, der sich zur Hochbergerstrasse hin öffnet. Ansonsten sind die Wohnungen eher knapp bemessen. Sie bieten aber alle eine Aussicht über die Wiese. Wie es bei vielen ähnlichen Projekten der Fall ist, werden durch Jockerräume und Gemeinschaftsflächen die knapper bemessenen Privatbereiche kompensiert. Wir haben an der Hochbergerstrasse vorbeigeschaut.
Über den Laubengang werden die Wohnungen erschlossen. ©Martin Zwahlen
Bereits im Wettbewerb (wir berichteten) hatten die Architekten von Kooperative E45 mit der Öffnung zur Stadt die Jury überzeugt. Gewürdigt wurde die geschickte Interaktion mit der Stadt über das Halbgeschoss. Auch die einfachen Grundrisse haben sich in der Umsetzung bewährt. Der ehemalige Flur, der die Büros erschloss, wurde in einen Schwellenraum mit Nasszellen umgewandelt, der nun zwischen Wohnbereich und Schlafbereich vermittelt. Innovativ ist zudem die Ausgestaltung der Bäder, damit sie alle den Vorgaben der SIA 500 entsprechen. Hierfür kam das «Klappbad», welches bereits von Lux Guyer genutzt wurde, zum Einsatz. Ein Durchgang mit grossen Doppeltüren, der zu einem Badezimmer verwandelt werden kann.
Einen Zentralen Flur erschloss die ehemaligen Büroräume. ©Kooperative E45
Türenballett im Klappbad.
Die Balkone, wie im Wettbewerb vorgesehen, konnten wegen der feuerpolizeilichen Normen nicht umgesetzt werden. Doch davon liessen sich die Architekten nicht beirren und schlugen einen innenliegenden Balkon vor. Eine grosse Schiebetüre neben dem Wohnungseingang lässt sich auf die halbe Raumbreite öffnen und führt den Wohnraum mit dem Laubengang zusammen.
Die innenliegende Balkone mit der Schiebetüre. Einen Vorhang zoniert den Wohnraum.
Die minimale Eingriffstiefe lässt Bestand und die neuen Elemente ineinander weiterwachsen. Nur aufmerksame Betrachter entdecken die verschiedenen Spuren und «Narben», die vom Umbau zeugen. Das Weiterbauen erlaubte, auf einen energieintensiven Rückbau und einen erneuten Aufbau zu verzichten. Damit wird graue Energie eingespart, weil die bestehenden Baumaterialien im Kreislauf bleiben.
Im Treppenhaus sind verschiedene «Narben» erkennbar.
Nun sind die Arbeiten abgeschlossen, und in die Liegenschaft kehrt unter dem neuen Namen «CoDeck» wieder Leben ein. Der Kanton kann das ehemalige Bürogebäude des Amts für Umwelt und Energie an der Hochbergerstrasse 158 umgebaut zur Vermietung zur Verfügung stellen. Im Gebäude entstanden 28 Wohnungen im Rahmen des Wohnbauprogramms 1000+. Zudem hat der Kanton in der Liegenschaft Gemeinschafts- und Gewerbeflächen geschaffen, auf denen der Verein «tonRaum» professionelle Probe- und Arbeitsräume für Musikschaffende betreibt.
Was ist das Wohnbauprogramm 1000+? Die 28 neuen Wohnungen entstanden im Rahmen des kantonalen Wohnbauprogramms 1000+. Der Grossteil der Wohnungen wird direkt durch den Kanton mit dem Mietvertrag Plus vermietet. Dieser sieht vor, dass die Mietenden die Wohnungen im Vergleich zur Nettomarktmiete um 20 Prozent günstiger mieten können, wenn sie unter anderem Vorgaben zur Belegung (Anzahl Personen pro Wohnung) und zum Einkommen erfüllen. Mit dem Wohnbauprogramm 1000+ leistet der Kanton einen Beitrag zu einem haushälterischen Umgang mit dem Boden.
Aus Autoeinstellhalle wird Ensembleraum Wo sich früher die Autoeinstellhalle und das Archiv befanden, hat der Kanton einen Teil der insgesamt über 700 Quadratmeter Gemeinschafts- und Gewerbefläche geschaffen. Über eine Ausschreibung wurde eine Hausgemeinschaftsorganisation gesucht, die ein Nutzungskonzept für diese Flächen erstellt und den Betrieb verantwortet. Der Verein tonRaum konnte diese Ausschreibung für sich entscheiden. Er hat die entsprechenden Flächen zu Probe- und Arbeitsräumen ausgebaut, die er zu erschwinglichen Preisen an Musikerinnen und Musiker weitervermietet. Ergänzend stehen im Dachgeschoss drei Gästezimmer für die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses und für auswärtige Gastmusizierende zur Verfügung.
Text: Martin Zwahlen / Architektur Basel und Medienmitteilung BS