Wohnhaus in Allschwil © Architektur Basel
Unser "Best of" in Bildern: Das war das Open House Basel 2021
Die Verschiebung des Open House 2021 um einen Monat in den Juni hat sich als wettertechnischen Glücksfall erwiesen: Bei perfektem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen konnten Architekturaficionados und Baukulturbegeisterte neunzig Bauten in und um Basel besichtigen. Zahlreiche Türen wurden geöffnet und "Einblicke in herausragende Architektur aus verschiedenen Epochen" gewährt. Es ist immer wieder eindrücklich zu erfahren, wie reich und vielfältig unsere Baukultur ist. Das Lob gebührt den unermüdlichen MacherInnen hinter dem Event. Chapeau! Auch die Redaktion von Architektur Basel war fleissig auf Erkundungstour unterwegs. Hier folgt unser fotografisches "Best of" vom Open House 2021.
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Wir beginnen unsere Tour am beschaulichen Pappelweg in Muttenz. Erwartet werden wir von rotem Backstein, Stürzen in brettergeschaltem Sichtbeton und einem markanten Giebeldach. Zeittypisch: Der Bestand stammt von Burckhardt Architekten aus dem Jahr 1969.
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Mit viel Fingerspitzengefühl haben Staehelin Meyer Architekten dem Haus einen Hauch zeitgenössischer Architektur einverleibt. Die Betonküche und der gegossene Bodenbelag zeugen davon. Es entsteht ein stimmiges ganzes. Alt und neu verschmelzen gekonnt. Fazit: So lässt es sich wohnen.
Wohnhaus in Allschwil © Architektur Basel
Weiter geht es in Allschwil. Ziel ist ebenfalls ein Einfamilienhaus aus den 1960er-Jahren. Den Bestand von Architekt Rolf Müller haben Buchner Bründler kraftvoll weiterentwickelt. Alt und Neu stehen in einem spannungsvollen Dialog.
Wohnhaus in Allschwil © Architektur Basel
Hier findet sich Duschen und Baden für brutalistische Puristen: Beton dominiert im Bad. Das Oberlicht schafft dank zenitalem Licht eine fast schon sakrale Atmosphäre.
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A propos sakral: Nicht weit entfernt haben die beiden Architekten Walter Wurster und Hans Ulrich Huggel im Jahre 1956 eine sehenswerte Friedhofskapelle erbaut. Architektur der Nachkriegsmoderne wird hier in ihrer besten Form dargeboten. Das Wasserbecken spiegelt die stimmige Anlage. Eine Entdeckung!
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Abdankung im Licht- und Schattenspiel: Das rhythmisch geöffnete Mauerwerk hinter dem Altar schafft trotz aller Andacht eine lebendige, hoffnungsvolle Stimmung. Toll, dass am Open House auch solch wenig bekannten Bauten ihre Pforten öffnen, wobei der Publikumsandrang hier eher bescheiden war. Leider.
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Szenenwechsel: Unser nächstes Highlight erwartet uns im Kleinbasler Hinterhof. Hier haben Alma Maki mit viel Liebe zum Detail und handwerklichem Geschick ein besonderes Atelierhaus erbaut. Der schattige, mineralisch geprägte Hof empfängt die BesucherInnen und lädt zum Verweilen ein. In Ruhe kann die fein gegliederte Fassade analysiert werden.
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Die Details des Holzbaus entspringen einer feinen Recherche der Fügung. Die handwerkliche Qualität ist beeindruckend. Die ArchitektInnen von Alma Maki haben selbst Hand angelegt – und hier inzwischen ihr Atelier bezogen. Fazit: So lässt es sich arbeiten.
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Hinterhof part II: Vergangenes Jahr haben Piertzovanis Toews das Hofhaus an der Matthäusstrasse aufgestockt, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Der markante, grüne Kreis, der als Stütze fungiert, ist dabei ein besonderes Statement, "ein Plädoyer für das Gestalten jenseits von Ratio und aufklärerischem Nützlichkeitsstreben", wie die Architekten es bezeichnen. Form first.
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Das "Haus im Hof" macht auch im Modell eine gute Figur... Das Konzept der Aufstockung ist clever: Unter Beibehaltung der First- und Trauflinien wurde das Dach in der Mitte aufgeklappt um mehr Höhe und ein neues Fensterband zu erhalten.
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Zwischendurch darf es zur Abwechslung auch eine Prise Barock sein. Oder in diesem Fall eher eine doppelte Portion. Die architektonische Qualität des "Weissen und blauen Hauses", die 1775 von Samuel Werenfels erbaut wurden, ist in Basel herausragend. Die beiden am Rheinufer von weither sichtbaren Palais – ihre richtigen Namen, Reichensteinerhof und Wendelstörferhof, sind kaum gebräuchlich – wurden 1763–1770 für die Seidenbandfabrikanten Lukas und Jakob Sarasin erbaut.
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Was für ein Treppenauge! Die elegant geschwungenen Linien lassen das Auge fröhlich mittanzen. Bei aller Liebe für die Moderne sind es solche Momente des architektonischen Kontrasts, die das Open House so faszinierend machen.
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Das Rehab an der Grenze zu Frankreich ist und bleibt eine der unbestrittenen Architekturikonen aus der Grossmeister von der Rheinschanze. Erbaut wurde es 2002. Und altert in würdevoller Patina. Der Platz in der Basler Architekur-Hall of fame bleibt auch nach diesem Besuch gewahrt.
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Nächster Stopp: Riehen. Hier besuchen wir den Doppelkindergarten von Miller & Maranta und überzeugen uns davon, dass er auch drei Jahre nach Fertigstellung immer noch wunderbar funktioniert. Die räumliche Qualität ist bemerkenswert. Frei nach Quintus Miller: "So geht Stimmung!"
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Das Grün rund um den Kindergarten gedeiht, wächst und macht den Bezug zwischen Innen- und Aussenraum intensiver erlebbar. Die Laube als Schwellenraum leistet dabei einen wesentlichen Beitrag. Einfach schön.
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Wie wichtig Landschaftsarchitektur sein kann, beweisen die beiden Doppeleinfamilienhäuser von Staehelin Meyer Architekten am Rütiring in Riehen. Die gepflegt-wilde Vegetation verleiht den beiden Betonkörpern Kraft und räumliche Präsenz. Besonders gelungen ist die feine Gestaltung der Zugangswege.
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Überraschende Einblicke offenbaren sich im Innern: Hier hängt die Jagdtrophäe direkt über der Badewanne. Wie sagt man so schön: Über Geschmack lässt sich nicht streiten.
Haus Koechlin von 1996 © Armin Schärer / Architektur Basel
Unweit vom Rütiring öffnet mit dem "Haus Koechlin" von Herzog & de Meuron eine besondere Trouvaille erstmals am Open House ihre Türen. Ausgangspunkt ist der zentrale Innenhof. Die Schiebeelemente zum Garten und zum Himmel machen ihn gleichzeitig zum Innen- und Aussenraum.
Haus Koechlin von 1996 © Armin Schärer / Architektur Basel
Im Obergeschoss eröffnen sich über den Hof zahlreiche Ein- und Ausblicke, wobei der Hof als zentrales räumliches Element verbindend wirkt. Der Dank gebührt der Eigentümerschaft, die der Öffentlichkeit den Besuch dieser Architekturikone ermöglichte. An dieser Stelle der Wunsch unserer Redaktion für das nächste Jahr: Wie wäre es, wenn das "Haus an der Brandwand" seine Türen für ein Wochenende öffnen würde? Träumen ist erlaubt... "Jacques, was meinsch?"
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Mit ihren "Movable house" haben Rahbaran Hürzeler Architekten im Jahre 2018 ein Ausrufezeichen für ein experimentelles, neuartiges Bauen gesetzt. Drei Jahre nach Fertigstellung lautet das Zwischenfazit: Experiment gelungen. Der Mut hat sich gelohnt. Wie "movable" der neue Pool neben dem Haus ist, steht hingegen auf einem anderen Blatt geschrieben...
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Das Open House offenbart auch intime Einblicke: Auf dem stillen Örtchen im "Movable house" prägt das Buchenschichtholz, das in den Zwischenwänden eine tragende Funktion übernimmt, den Raum. Struktur und Innenausbauten funktionieren symbiotisch. Ein Haus wie ein Möbel oder – ein Möbel wie ein Haus?
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Etwas weniger experimentell geht es an der Hinterzweienstrasse in Muttenz zu und her. Weberbuess Architekten haben hier 2020 ein Haus in Beton realisiert, das insbesondere durch seine kraftvolle, fast skulpturale Erscheinung und die hohe Ausführungsqualität überzeugt.
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Das grosszügige Wohnzimmer lässt sich über ein riesiges Hebeschiebefenster in Eiche zum Garten hin öffnen. Das Haus zeichnet das aus, wofür Schweizer Architektur mitunter steht: Schlichtheit, Präzision, Handwerk.
Wasserturm Allschwil © Architektur Basel
"Allschwil tower is calling!" Wir beenden unsere Tour beim 1973 erstellten Allschwiler Wasserturm. Der 42,5 Meter hohe Turm ist mit 18 Meter langen Betonpfählen im Lössboden gegründet. Er enthält zwei Reservoire mit insgesamt 990 Kubikmeter Trinkwasser, davon 100 Kubikmeter Löschwasserreserve.
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Von der Plattform aus schweift der Blick nach Basel. Die zahlreichen Hochhäuser zeugen vom Bauboom am Rheinknie. Wie facettenreich die hiesige Baukultur ist, bewies das Open House Basel 2021 erneut. Unser Blumenstrauss geht an alle Volunteers, Organisatoren, Gönner und Partner, die die Begeisterung für Architektur einem breiten Publikum erlebbar machen. Danggscheen.
Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel