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30.08.21
© Herzog & de Meuron
Utopia in Allschwil: Herzog & de Meuron planen Bürogebäude der Zukunft
Am Bachgraben in Allschwil tut sich was. Wohin sich früher höchstens ein paar Squash- oder Badmintonbegeisterte verirrt haben, mausert sich zum Boomtown. Neben dem neuen Tropeninstitut von Kunz und Mösch Architekten, steht das SKAN von Burckhardt+Partner oder das GRID von Herzog & de Meuron. Letztere planen zusammen mit SENN und ZPF Ingenieuren bereits ihren nächsten Streich: Er trägt den Namen "Hortus" und soll "einen neuen Standard für Nachhaltigkeit" setzen: "Es zahlt die graue Bauenergie zurück und ist bereits nach rund 30 Jahren energiepositiv." Dazu wird es aus einem ungewöhnlichen Mix aus Naturmaterialien konstruiert. Das Bürogebäude umfasst 10'000 m2 Nutzfläche für "umweltbewusste (Tech-) Firmen".
"Das Full Circle Design des HORTUS sorgt dafür, dass kein Bauteil verschwendet wird. Die Rohstoffe werden optimal genutzt, indem sie geteilt, wiederverwertet, repariert und wiederaufbereitet werden."
HORTUS steht für House of Research, Technology, Utopia and Sustainability. Hier wird mit grossen Begriffen operiert. Das Haus soll seine Erstellungsenergie innerhalb einer Generation, also unter 30 Jahren, «zurückzahlen», wie es in einer Medienmitteilung heisst. Dies soll einerseits dadurch erreicht werden, dass die gesamte verbaute Energie dank Einsatz von "ungewöhnlichen" Materialien wie Lehm und Altpapier gering gehalten wird. Andererseits wird die Energieernte über Photovoltaik maximiert. "Das HORTUS wird eine Quelle von Energie – sowohl kreativer als auch faktischer Solar-Energie mit einer Haltung, die Tech und Natur verbindet, Wissenschaft und Utopie anregt und Nachhaltigkeit nicht nur ökologisch, sondern auch menschlich und sozial vorlebt", sagt Johannes Eisenhut, Geschäftsführer der Senn Development AG. Bei solch utopischen Verheissungen sei Skepsis angebracht, zwischtern die Spatzen von den Bäumen des Bachgrabens.
© Herzog & de Meuron
Das Gebäude sei der Kreislaufwirtschaft verpflichtet: Jedes Bauteil hat eine bereits vor dem Verbauen eingeschriebene Zukunft – und Anleitung zur Weiterverwendung, sollte das Gebäude nach einigen Generationen nicht mehr benötigt werden. Der Materialpass kommt zur Anwendung. "Das Full Circle Design des HORTUS sorgt dafür, dass kein Bauteil verschwendet wird. Die Rohstoffe werden optimal genutzt, indem sie geteilt, wiederverwertet, repariert und wiederaufbereitet werden. In der Materialisierung achten wir ausserdem darauf, dass Luftqualität, Luftfeuchtigkeit und Temperatur zu jeder Jahreszeit ‚gesund‘ sind, ohne, dass die Nutzenden sich einschränken müssen", beschreibt Nico Ros von ZPF Ingenieure den Bau. Diese und weitere Themen hatte er auch bei uns im Podcast angeschnitten.
"Das ist eine Herausforderung, aber auch eine unglaublich reizvolle Idee, weil das eine neue Ästhetik schaffen wird auf dieser Welt."
Die Eröffnung des HORTUS ist für das Jahr 2025 geplant. Das Angebot richtet sich primär an Digital- und Tech-Firmen. Diese können am Standort BaseLink von der Nähe zur Life Science Branche profitieren. Das Projektteam forsche aktuell an "behaglichkeits- und gesundheitsförderlichen" Konzepten sowie an einer neuen Form der Miete. Firmen sollen nur das exklusiv mieten, was sie wirklich brauchen, und sich darüber hinaus gemeinsame Flächen teilen. Neudeutsch heisst das "access over ownership". Das Haus verspricht tatsächlich, eine gebaute Utopie zu werden. Ob im Untergeschoss dennoch Ortbeton verwendet wird, sei dahingestellt. Die Visualisierung des begrünten Innenhofs macht auf jeden Fall Lust auf mehr.
© Herzog & de Meuron
"Wir müssen fähig sein, alles, was wir herstellen, und alles, was wir machen, allem eine nachhaltige und auch eigene Schönheit zu geben. Das ist eine Herausforderung, aber auch eine unglaublich reizvolle Idee, weil das eine neue Ästhetik schaffen wird auf dieser Welt", so die ArchitektInnen von Herzog & de Meuron. Man darf gespannt sein - auf die neue Verbindung von Nachhaltigkeit und Schönheit. Und die Utopie. Wir werden auf jeden Fall berichten.
Quelle: Medienmitteilung SENN