Altstadtpoesie mit dem gewissen Etwas: Die neue Laube und die Reduktion der Hofmauer bringen das Gebäude und den Strassenraum zusammen. Foto © Annette Fischer
Vermittlerin in vielerlei Hinsicht: das umgenutzte ehemalige Bezirksgericht Waldenburg
Das verbreiterte Trottoir war eine erste Massnahme zur Reaktivierung der Altstadt. Die Umnutzung des ehemaligen Bezriksgerichts zu Wohnungen und dem Kulturraum im Erdgeschoss ist ein nächster Schritt zur Wiederbelebung der Waldenburger Altstadt. Plan © Salathé Architekten
Die strenge Gliederung in drei und vier Achsen zur Hauptstrasse hin wurde beibehalten. Foto © Annette Fischer
«Der Umbau der Gebäude des ehemaligen Bezirksgerichts ist ein Glücksfall. Das Zusammenwirken zwischen Wohnstadt, den Behörden, den Handwerker:innen und Architekt:innen ist meiner Meinung nach gelungen!» • Dominique Salathé
Neu gehören bis auf einen Technikraum alle Flächen im Erdgeschoss zum Kulturraum Waldenburg. Der ehemalige kleine Empfangsschalter als Reminiszenz ans Gericht konnte erhalten bleiben. Eine Mischung zwischen Einbaumöbelcharme der (vermutlich) 1960er-Jahre und etwas staubig anmutender Verwaltung. Dass die Geschichte des Gebäudes erhalten bleibt, ist denn aber auch ganz im Sinne der Architekt:innen; nicht zuletzt auch der Denkmalpflege.
Der Kulturraum im Erdgeschoss von Nr. 70 mit dem ehemaligen Schalter – eine Reminiszenz an die vorherige Nutzung. Foto © Annette Fischer
Die Gliederung der strassenzugewandten Fassaden wurde beibehalten. Foto © Annette Fischer
Das Eckzimmer im 2. Obergeschoss von Nr. 72 mit Blick auf die Hauptstrasse. Foto © Annette Fischer
Die neue Küche vor der alten Wand mit Licht von der Hauptstrasse und das neue Bad mit Blick vom 1. Obergeschoss Nr. 72 zum Adelberg. Foto © Annette Fischer
Grundriss Erdgeschoss. Beide Gänge führen in den Hof. Zwei Durchgänge verbinden den Hof mit dem rückwärtigen Adelberg. Bis auf einen Technikraum wird das Erdgeschoss durch den Kulturraum Waldenburg bespielt © Salathé Architekten
Grundriss 1. Obergeschoss. Die verwinkelten Räume kommen vom Bestand und wurden grösstenteils beibehalten. Plan © Salathé Architekten
«Die vier unterschiedlichen Wohnungen werden aus den Gegebenheiten des Bestands heraus entwickelt. Die Eingriffe sind pragmatisch; die Wohnungen sollen kostengünstig bleiben.» • Dominique Salathé
Während sich der Koch- und Essbereich von Nummer 72 zur Hauptstrasse hin orientiert, wendet sich die Küche von Nummer 70 dem rückwärtigen Adelberg zu. Mehr noch: die eben erwähnte Laube erweitert die Küche zum Hof. Ein gekonnter Eingriff, um die dahinterliegende, wohl schadhafte Aussenwand nicht nur zu ersetzen, sondern auch grosszügig zu öffnen. In denkmalpflegerischer Hinsicht sind grosse Fensterflächen ein absolutes No-Go. Selbst in der der Hauptstrasse abgewandten Fassade. Die Laube jedoch setzt den Öffnungen mit ihrer feinen Struktur eine Art Filter vor, die diesen Eingriff harmonisiert. Die Laube holt das Leben nach Aussen – die grosse Öffnung dahinter umgekehrt den Adelberg und den Blick die Strasse entlang zurück ins Haus.
Ein Blick in die Baustelle. Im Vordergrund das bestehende Tragwerk von Nr. 70. Im Raum rechts hinten die ehemalige Fassade, die ersetzt und um eine vorgelagerte Laube ergänzt wurde. Foto © Salathé Architekten
Die grosse Öffnung leitet den Blick über die Laube von Nr. 70 den Adelberg hinauf und holt die Altstadt in die Küche. Foto © Annette Fischer
Die neue Laube erweitert die Wohnungen von Nr. 70 um einen Aussenraum. Blick vom 2. OG in die Gasse. Die Laube dient als Filter und macht die grosse Öffnung in der dahinter liegenden Fassade erst möglich. Foto © Annette Fischer
Altstadtpoesie mit dem gewissen Etwas: Die neue Laube und die Reduktion der Hofmauer bringen das Gebäude und den Strassenraum zusammen. Foto © Annette Fischer
Rechts: Hof und Gasse waren optisch getrennt. Links: die räumliche aufgewertete Situation. Foto © Annette Fischer
Das Tragwerk des rückwärtigen Schopfs wurde ertüchtigt. Der Schopf bleibt unbeheizt. Die Nutzung ist offen. Zu sehen ist das Erdgeschoss. Foto © Annette Fischer
Von aussen wirkt der Schopf praktisch unangetastet; ein Blick ins Innere zeigt: damit er erhalten bleiben kann und dennoch benutzbar ist, waren einige Massnahmen nötig. Foto © Annette Fischer
«Übergeordneter Mehrwert des Umbaus ist, neben der nötigen Sanierung des Bestands die Gelegenheit den ehemals abgeschlossenen Hof zur Gasse zu öffnen und als Begegnungsraum auszubilden.» • Dominique Salathé
Es ist einerseits die Geste der verbindenden Elemente, die räumliche Neuorientierung, die dieses Projekt tatsächlich zum «Glücksfall» werden lässt. Aber es sind auch die kleinen Dinge; das fast poetische Nebeneinander von Brunnen, Mauer und gestalteten Sockeln der Laube, dem Bänkli und dem Schöpfli. Vor allem aber der Glaube daran, dass in Ortskernen wie jenem von Waldenburg Potential steckt; die Wohnstadt beweist Innovation – und tatsächlich etwas Mut. Welchen Anklang die Wohnungen finden und wie gross das Interesse am Kulturraum längerfristig ist, wird sich zeigen. Der Schlafstadtmief hat sich in Waldenburg jedenfalls verzogen. Zu Recht, wie ich finde. Text: Simon Heiniger / Architektur BaselProjektdaten - Adresse: Hauptstrasse 70+72, 4437 Waldenburg - Architektur: Salathé Architekten Basel - Bauherrin: Wohnstadt Bau- und Verwaltungsgenossenschaft, Basel - Bauzeit: 2022-2024 (SIA Phasen 31-53) Weitere Links und Quellenangaben - Bauinventar BIB Kanton Basellandschaft, Gemeinde Waldenburg, Claudio Affolter, 2007 - Projektdokumentation, Salathé Architekten Basel, 2025 - Fotos Projekt: © Annette Fischer, Annette Fischer Photography, Basel / Paris - Pläne, Fotos Bestand und Baustelle: © Salathé Architekten Basel - Kulturraum Waldenburg - Reorganisation Bezirksgerichte Baselland