Wo die Kleinen gross sind – Guerilla-Projekt von Focketyn del Rio

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Wo andere ArchitektInnen vom Bau von Museen, Hochhäusern oder Stadien träumen, da haben Focketyn del Rio ein Faible für kleine Interventionen, die sie „Guerilla-Projekte“ nennen. Mikro-Architektur sozusagen. Es handelt sich um architektonische Eingriffe im Kleinstmassstab, „die mit geringeren Ressourcen in einem sehr lokalen Kontext operieren.“

Quartiertreffpunkt Kleinhüningen von Focketyn del Rio Studio © Adria Goula

Ein solches Projekt befindet sich in Kleinhünigen. Es handelt sich um den erst kürzlich fertiggestellten Umbau des Quartiertreffpunkts KLŸCK. „Der Raum, der bisher lediglich ein leeres Gefäß war, wurde mit minimalen Eingriffen für maximale Flexibilität neu konzipiert“, beschreiben die Architekten ihren Ansatz. Man könnte von einer „Pinselrenovation plus“ sprechen. Der Raum wurde neu gestrichen, die bestehende Beleuchtung angepasst und die Bar neu organisiert.

Quartiertreffpunkt Kleinhüningen © Focketyn del Rio

Die grösste Veränderung betrifft den Einbau von zwei Galerien, die mittels präziser Schreinerarbeit in den Raum integriert wurden. Sie dienen den Kindern zugleich als Klettergerüst und Rückzugsort. „Diese Holzelemente vermitteln aktiv zwischen dem Inneren und dem Äußeren, indem sie den Raum durch die Einführung von erklimmbaren Möbeln, die Höhe und Gleichgewicht entlang der Länge des Raumes schaffen, neu dimensionieren“, schreiben die Architekten.

Quartiertreffpunkt Kleinhüningen von Focketyn del Rio Studio © Adria Goula

Wände und Einbauten sind konsequent in Weiss gehalten. Als eine Art dreidimensionale „Leinwand“ soll der Raum die Fantasie der Kinder anregen. Einen farblichen Akzent wurde an der Decke gesetzt, die in einem tiefen Blau frisch gestrichen wurde. „Look up in the Sky! It’s a Bird, it’s a plane…“ Man könnte von einem neuen Himmel für den Quartiertreffpunkt sprechen. Architekt Miquel del Rio erklärt: „Unser Ziel war es, diesen Raum für die Gemeinschaft zu optimieren. Wir haben uns gefragt: Wie können wir mit begrenzten Ressourcen ein qualitativ hochwertiges Design anbieten?“

Quartiertreffpunkt Kleinhüningen von Focketyn del Rio Studio © Adria Goula

Das Projekt wurde hyperlokal entwickelt. Die Architekten nennen es „Zero Kilometers“-Architektur. Alles kommt vom Ort. Und alles soll an Ort bleiben. Anti-Easyjet sozusagen. Del Rio beschreibt die Strategie folgendermassen: „Alles, was mit dem Projekt zusammenhängt, wurde in einem extrem nahen Radius erreicht. Unser Büro befindet sich gleich um die Ecke. Der Handwerker, der die Holzarbeiten ausgeführt hat, ist 50 Meter entfernt. Der Elektriker und die Maler kommen beide aus alteingesessenen, in Kleinhüningen tief verwurzelten Firmen. All diese Leute haben uns geholfen, das Projekt voranzutreiben.“ In Zeiten von Corona, wo Problematik der Abhängigkeit von globalen Lieferketten augenscheinlich wird, bekommt dieser besondere Sinn für das Lokale eine neue Bedeutung.

Quelle: Focketyn Del Rio Studio


INFOS
Projektname: Quartiertreffpunkt Klybeck/Kleinhüningen
Architekten: Focketyn Del Rio Studio
Ort: Kleinhüningerstrasse 205, 4057 Basel
Fertigstellung: 2019
Auftraggeber: KLŸCK Quartiertreffpunkt Klybeck/Kleinhüningen
Holzarbeiten: Südquai
Elektriker: Moritz Hunziker AG

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