Kirche Don Bosco in Basel – Hermann Baur und Weggenosse Rudolf Schwarz

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Sie gehört zu den unscheinbarsten Kirchen in ganz Basel. Und inzwischen wird sie als solche gar nicht mehr genutzt. Die Don Bosco-Kirche im Breite-Quartier hat schon bessere Zeiten erlebt. Die letzte Messe fand im Jahre 2012 statt. Zwischenzeitlich wurde der Kirchenraum für Kunstprojekte und Ausstellungen, wie Klaus Littmanns vielbeachtetes Projekt „The mass is ended“, genutzt – und soll künftig als Konzertsaal dienen.

Kirche Don Bosco von Hermann Baur (1934-37)

Kirche Don Bosco von Hermann Baur (1934-37)

Wer die Don Bosco-Kirche von der Zürcherstrasse her erblickt, dem zeigt sich gegenwärtig ein etwas tristes Bild. Der Putz ist marode – stellenweise lieblos geflickt. Metallteile an den Fenstern rosten vor sich hin. Ein bedenklicher Zustand einer Kirche, die von grosser baukultureller Bedeutung ist. Ihr Erbauer, der Basler Architekt Hermann Baur, durfte hier 1937 seinen Kirchen-Erstling realisieren. Baur baute während seiner langen Schaffenszeit mehrere Dutzend Kirchen in der Schweiz, Frankreich und Deutschland. In Basel und Umgebung realisierte er nebst Don Bosco die Sakraments-Kirche in Dornach (1937-39), die Allerheiligenkirche in Basel (1948-51), die St. Michaels-Kirche ebenfalls in Basel (1948-50) und die Bruderklausenkirche in Birsfelden (1955-59). Bei der Don Bosco-Kirche hatte Baur gegen einige Widerstände anzukämpfen. Seine progressiven Ideen punkto Kirchenbau stiessen in der Pfarrgemeinde nur bedingt auf offene Ohren. Er musste seine Entwürfe mehrfach überarbeiten und dabei einige Kompromisse eingehen. Beispielsweise sollte die Kirche ursprünglich von der Strasse abgerückt stehen, um einen offenen, begrünten Vorplatz zu schaffen. Der Kirchturm sollte dabei freistehend sein. Diese und weitere Ideen wurden von der Baukommission der Pfarrgemeinde abgelehnt. „Mein ursprüngliches Projekt war der Niederschlag einer langjährigen Beschäftigung und Auseinandersetzung mit dem Problem des Kirchenraums für den Menschen unserer Zeit. (…) Ein Kirchenraum, der kühn die technischen und künstlerischen Erkenntnisse in seinen Dienst stellen sollte. Aber es galt sich zu bescheiden“, schrieb Baur im Rückblick über den Entwurfsprozess.

Links: Kirche Don Bosco in Basel / Rechts: Fronleichnamskirche in Aachen

Links: Kirche Don Bosco in Basel / Rechts: Fronleichnamskirche in Aachen

Nicht nur die innovative Konstruktionsweise mittels vermauertem Stahlskelettbau ist beachtenswert, sondern auch der Bezug zum Werk des bedeutenden deutschen Kirchenbauers Rudolf Schwarz. Ohne die von Schwarz 1930 erbaute Kirche Fronleichnam in Aachen wäre die Don Bosco-Kirche in dieser Form wohl nicht entstanden. Beide verbindet die Suche nach einer radikalen Einfachheit des Ausdrucks. Die äussere Form der Kirche Fronleichnam ist an formaler Reduziertheit kaum zu überbieten. Die hochliegenden, schlichten Fenster und die seitliche Anordnung des Kirchturms findet man in ähnlicher Form auch bei der Don Bosco-Kirche. Schwarz erprobte in Aachen die Reduktion seiner Kirchengestaltung auf das absolut Wesentliche: Masse, Raum und Licht. Der Innenraum der Don Bosco-Kirche mit den niedrigen Seitenschiffen und der flachen Holzdecke ist ebenfalls von grösster Schlichtheit. Rudolf Schwarz schrieb über seine Beziehung zum Werk von „Weggenosse“ Hermann Baur: „Masse und Mitte, nicht als mittelmässige Leistung, sondern als immer neuer Sieg über das Voreilige, Verstiegene, Wilde – das scheint mir das Kennzeichen auch des Werks von Baur zu sein.“ Implizit meinte er wohl auch sein eigenes Schaffen.

Kirche Don Bosco von Hermann Baur (1934-37) © Architektur Basel

Kirche Don Bosco von Hermann Baur (1934-37)

Die beiden Architekten verband eine lange Freundschaft. Schwarz besuchte Baur einige Male in dessen Haus auf dem Bruderholz in Basel. Ihrem Briefwechsel ist zu entnehmen, dass Schwarz bei seinem Besuch nach Kriegsende die Ruhe in der unversehrten Schweiz genoss. Nach dem Tod von Schwarz im Jahre 1961 verfasste Baur einen Nachruf in der Zeitschrift Werk. Hier beschrieb er die Wirkung, welche die erwähnte Fronleichnamskirche auf ihn hatte: „In diesem Bau, so schien es uns damals, war all das Neue und Lebendige, das in der Luft lag, unter Einschluss der damals nicht hoch im Kurs stehenden geistigen und religiösen Elemente, in eine gültige Form gebracht.“ Ähnliches hat so mancher auch schon bei der Don Bosco-Kirche gedacht. „In letzter Einfachheit erstand Architektur, als Hülle eines Raumes, gefügt mit vollendetem Mass, das Urelement der Lichtführung dem Kult und dem Sinn des Hauses Gottes dienstbar gemacht“, beschreibt Baur treffend. Und Schwarz erwidert mit ähnlichen Gedanken zu Baurs Kirchenbauten: „Was den Betrachter und wohl auch den Beter an ihnen am meisten freut, ist ihre grosse Stille. Sie enthalten nichts Voreiliges, Aufgeregtes, mit dem man ja leicht eine kurze Weile auffallen kann. Sie sind in der grossen Stille, in der alle wirklich grossen Bauten sind. Es ist die Stille der grossen Gestalt und der grossen Architektur.“ Zum Glück konnte er nicht ahnen, wie still es einst um die Don Bosco-Kirche werden sollte…

Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel

Quellen:
Baur, Hermann (1961): Architekt Rudolf Schwarz, in: Das Werk, Heft 6, 1961.
Baur, Hermann (1975): Publikation zur Ausstellung „Plan und Bau“, Gewerbemuseum Basel.
Baur, Hermann (1994): Eine Ausstellung im Architekturmuseum Basel vom 27. August bis 30. Oktober 1994, Architekturmuseum, Basel.

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