Baukultur 14.04.19

«Früher war alles besser» – nicht selten wird der öffentliche Diskurs über Architektur etwas gar einfach geführt. Ebenso, ob Bauten hässlich oder schön seien. In Allschwil stehen drei Gebäude, die unterschiedlicher nicht sein könnten Tür an Tür.

1897 bereits fragte die Gemeinde Allschwil die Basler Regierung für eine Tramlinie nach Allschwil an. Nachdem der Landrat 1904 das Projekt ebenfalls bewilligte, ging alles sehr schnell; das erste Drämmli fuhr bereits ein Jahr später auf der Baslerstrasse ins Dorf. Entlang dieser Hauptverkehrsachse entwickelten sich in der Folge neue Wohnquartiere und Gewerbegebiete.

Reformierte Kirche (1888), Allschwil © Börje Müller Fotografie

Reformierte Kirche (1888), Allschwil © Börje Müller Fotografie

Das vom bekannten Architekten Paul Reber erstellte neogotische Kirchli wurde 1926 durch ein Pfarrhaus der Architekten Franz Bräuning und Hans Leu ergänzt. Zurückversetzt von der Strasse bildet es den hinteren Abschluss eines neuen gepflasterten Platzes. Während sich das Kirchli zur Strasse zuwendet, orientiert sich das Wohnhaus am Platz. Die Fassade des zweigeschossigen Gebäudes mit hohem Walmdach im Stile eines ländlichen Pfarrhauses verhält sich absolut symmetrisch. Nicht nur die Oblichter und Fenster spiegeln sich an einer mittigen zweiläufigen Treppe – auch der äusserst einfache Grundriss ist im Prinzip um einen vom Eingang ausgehenden Mittelgang mehr oder weniger symmetrisch. Geht man etwas näher, entdeckt man feine Details im Art-déco-Stil, etwa die Geländer der Treppe oder die Haustüre und Fenstergitter.

Reformiertes Pfarrhaus (1926), Allschwil © Börje Müller Fotografie

Reformiertes Pfarrhaus (1926), Allschwil © Börje Müller Fotografie

Bald wurde das Kirchli von Reber zu klein; es musste was grösseres her. Knappe sechs Jahre später öffnete die Christuskirche – an der dritten Seite des Hofes ihre Tore. Sie präsentiert sich bereits in einem äusserst zurückhaltenden Bauhausstil. Die Kirche besteht aus einer schlichten Halle und einem Turm zur Strasse hin. Die Fassade des Hauptbaus besteht aus hochrechteckige Fenstern, und einem grossen Fenster zur Rückseite. Der simple Turm mit schwarzem Schriftzug im unteren Bereich besitzt geometrische Schallöffnungen im Bereich des Läutwerks, davor ein ebenso einfaches Zifferblatt. Das alles wäre vielleicht gar nichts besonderes, stammten das verspielte Pfarrhaus und die schlichte Christuskirche nicht von den selben Architekten. Arthur Dürig ergänzte Franz Bräuning und Hans Leu.

Reformierte Kirche (1932), Allschwil © Börje Müller Fotografie

Reformierte Kirche (1932), Allschwil © Börje Müller Fotografie

Am Beispiel dieses Ensembles zeigt sich die teils unglaublich schnelle Entwicklung architektonischer Formen und Ideale. Kirchli, Pfarrhaus und Christuskirche vertreten drei unterschiedliche Epochen, sie entsprechen den Bedürfnissen der jeweiligen Zeit – die Zurückhaltung beim Bau letzterer dürfte nicht zuletzt auch der Materialknappheit in der Zwischenkriegszeit geschuldet sein.

Ob früher also alles «besser» war, oder nicht einfach anders, liegt bis zu einem gewissen Grad wohl im Auge des Betrachtenden. Die drei Gebäude geben jedenfalls, wenn auf den ersten Blick möglicherweise ein etwas seltsames, aber durchaus ein harmonisches Bild ab.

Text: Simon Heiniger / Architektur Basel


Reformiertes Kirchli

Funktion: Sakralbau

Adresse: Baslerstrasse 220, 4123 Allschwil

Baujahr: 1886-1888

Architektur: Paul Reber

Reformiertes Pfarrhaus

Funktion: Wohnhaus

Adresse: Baslerstrasse 222, 4123 Allschwil

Baujahr: 1926

Architektur: Franz Bräuning, Hans Leu

Christuskirche

Funktion: Sakralbau

Adresse: Baslerstrasse 224, 4123 Allschwil

Baujahr: 1931/32

Architektur: Franz Bräuning, Hans Leu, Arthur Dürig


Fotos:

- © Börje Müller Fotografie

Quellen:

– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet: eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0