Die Bände 5, 6 und 7 behandeln die Zeit zwischen 1760 und 1966
Niggi Münch und Boppi Keller, die Bahn und die Stadtmauer und eine Uni für alle... Stadt.Geschichte.Basel – Band 5 bis 7
«Malerisch am Rhein gelegen. Mildes, nebelfreies Klima. Reizvolle Ausflüge. Rheinschiffahrt. Zoologischer Garten. Holbein-und Boecklin-Galerien. Universität. Vorzügliche Hotels. Basel – das goldene Tor der Schweiz.» Grosse Versprechen und eine Auflistung internationaler Zugverbindungen von und nach London, Paris, Budapest, Napoli oder Amsterdam, ja sogar St. Petersburg. So ging Tourismus 1912!
Ausgegraben hat dieses Werbeplakat das Team hinter der Publikationsserie «Stadt.Geschichte.Basel». Die ersten vier Bände, die mit ihrer Betrachtung der Basler Stadtgeschichte die Zeit zwischen 50'000 v. Chr. bis 1790 abdecken, haben wir in diesen Artikeln bereits besprochen:
→Band 1+2 →Band 3+4. Die drei aktuellen Bände 5, 6 und 7 behandeln die Zeitspanne zwischen 1760 und 1966 und stehen damit unter anderem im Zeichen der Französischen Revolution, der Einführung der Eisenbahn, der Kantonstrennung und nicht zuletzt der beiden Weltkriege.
Wie Frage nach dem Standort der Bahnhöfe hat Basel immer wieder beschäftigt.
Basel ist während dieser Zeit stark gewachsen. Über sich selbst hinaus. Wortwörtlich. Noch vor 1800 ist die Stadt von einer Mauer umgeben. Wie sich ein typischer Morgen am Spalentor um 1760 abgespielt haben könnte, ist uns in Band 5 überliefert. So ist die Stadt nachts verschlossen. Wer morgens rein will bezahlt Steuern auf Waren, einige Personen gar Kopfgeld. Die ständige Stadtbevölkerung beträgt damals ungefähr 15'000 Personen.
Stadtbefestigung mit Graben beim «Fröschenbollwerk, im Hintergrund das Spalentor. Foto: Foto Wolf, um 1865. Der Graben ist damals bereits aufgefüllt, die Kontermauer teilweise abgetragen – aus Stadt.Geschichte.Basel Band 5
Meist werden Ereignisse nicht absolut chronologisch wiedergegeben, sondern thematisch gegliedert und hergeleitet. Die Autorinnen und Autoren nennen die Zeitspanne vor wichtigen Ereignissen jeweils die «Sattelzeit». Also die Zeit, in der die gesellschaftlichen und sozialen Samen für grössere Veränderungen gepflanzt und gewässert werden. So brach weder die Französische Revolution noch die Kantonstrennung ohne Ankündigung über die Stadt hinein.
Ähnlich erging es auch der Stadtmauer. Deren Schleifung war ein langer Prozess. Entscheidend für Basel war die Bahn. Und der Bahnhof. Die Bahnhöfe. Vor allem die Diskussion, wo sie denn gebaut werden sollten. Die einen bevorzugten einen Bahnhof in der Stadt – damals gab es ausserhalb der Stadtmauer wenig – die anderen hatten Angst, dass die Französische Bahn Basel umfahren und abhängen könnte und plädierten für einen Bahnhof am heutigen Standort am Centralbahnplatz. Mehr dazu gibts in Band 6.
Basel aus der Vogelperspektive, Ansicht von Süden, Lithografie von Jean-Baptiste Arnout, um 1865 – aus Stadt.Geschichte.Basel Band 6
Während die einen fürchteten, eine Bahnlinie würde Tür und Tor (der Stadtmauer) für Eindringlinge öffnen, sahen andere das Potential. Bereits Ende der 1860er-Jahre jedoch waren auch die äussersten Schienenstränge bereits vom Siedlungsbau eingeholt und bald schossen auch die ersten Bauten ausserhalb der Geleise in die Höhe. Mit der Wohnbevölkerung in Basel nahm auch der Eisenbahnverkehr zu. Im Gundeli schlossen sich die Bahnschranken bereits 1870 alle drei bis vier Minuten.
Es sind die grossen Ereignisse wie die Eisenbahn, die Geschichte schreiben. Es sind aber auch die kleinen Dinge, welche in der «Stadt.Geschichte.Basel» zu Wort kommen oder abgebildet sind. Wie etwa eine der seltenen öffentlichen Strassenbeleuchtungen, zu sehen im Hintergrund auf einer Darstellung der Mittleren Brücke. Oder aber die – traurige, aber damals wohl sehr übliche – Geschichte hinter den Stadtoriginalen Niklaus «Niggi» Münch und David «Boppi» Keller. Aber auch für zeitgenössische Mode bleibt Platz...
Niklaus «Niggi» Münch und David «Boppi» Keller sind prominent platziert: «Das alte Spital zu Basel», Lithografie von H. Maurer, wahrscheinlich nach 1842 – aus Stadt.Geschichte.Basel Band 5
Eine der seltenen öffentlichen Stadtbeleuchtungen im Hintergrund: Einzug der drei Monarchen auf der Mittlere Brücke am 13. Januar 1814, anonymer Holzschnitt, 1814 – aus Stadt.Geschichte.Basel Band 5
Es ist die Vielfalt in Text und Bild, welche die Publikationen so lesenswert macht. Auf eine historische Abbildung des Claraplatzes von 1902 folgt ein Abriss über die Geschichte der Basler Mission. Nur um schliesslich auf den Ziegenmilchverkauf im kleinen Heimatstilhütli im Schützenmattpark zu stossen.
Auch die aktuellen Bände warten mit kleinen Exkursionen zu Nischenthemen auf: wie praktikabel diese Hüte wohl sein mochten?
Der siebte Band behandelt die Zeit vor, zwischen und nach 1933-45. Wir stossen auf die Hakenkreuzfahne am Badischen Bahnhof oder versehentliche alliierte Bombentreffer im Gundeli. Das Buch endet mit dem 500-Jahr-Jubiläum der Universität um das Jahr 1960. War Bildung zu Beginn wenigen vorbehalten, so öffnete sich die Uni nach und nach für breite Bevölkerungskreise. Was könnte dies besser symbolisieren als eine Festbeiz mit Gartenwirtschaft im Hof des Kollegienhauses?
Im zweiten Weltkrieg wurde Basel wiederholt von alliierten Bomben getroffen.
Diese drei Bände wecken Vorfreude auf die Bände 8 und 9 im März 2025. Ein abschliessender Übersichtsband ist fürs Frühjahr 2026 angekündigt.
Text: Simon Heiniger
Marc Fehlmann, Daominik Sieber, André Salvisberg (Hg)
Hinter der Mauer, vor der Moderne. 1760 – 1859
Stadt.Geschichte.Basel, Band 5
336 Seiten, 102 meist farbige Abbildungen
gebunden, 18 × 24.5 cm
© 2024 Christoph Merian Verlag
CHF 39.- / EUR 39.-
ISBN: 978-3-03969-005-3
Patrick Kury (Hg)
Die beschleunigte Stadt. 1856 – 1914
Stadt.Geschichte.Basel, Band 6
336 Seiten, 142 meist farbige Abbildungen
gebunden, 18 × 24.5 cm
© 2024 Christoph Merian Verlag
CHF 39.- / EUR 39.-
ISBN: 978-3-03969-006-0
Caroline Arni (Hg)
Céline Angehrn, Noemi Crain Merz, Isabel Koellreuter, Franziska Schürch
Stadt an der Grenze. 1912 – 1966
Stadt.Geschichte.Basel, Band 7
324 Seiten, 140 Abbildungen
gebunden, 18 × 24.5 cm
© 2024 Christoph Merian Verlag
CHF 39.- / EUR 39.-
ISBN: 978-3-03969-007-7