Wohnhaus Schmidt-Kohl | Baselbieter Baukultur #37

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Die Gemeinde Binningen verlieh unter anderem Lupo & Zuccarello Architekten AG den Binninger Architekturpreis 2018 für das «Haus T» am Höhenweg. Die kleinteilige Topografie in Binningen scheint für Ein- und Zweifamilienhäuser wie gemacht. Fast 90 Jahre früher sahen sich die Architekten Paul Artaria und Hans Schmidt noch mit etwas anderen Voraussetzungen und politischen Losungen konfrontiert.

Ein Blick auf die Landkarte von Binningen im Jahr 1929 zeigt eine mehrheitliche Bebauung in den Talbereichen und im nördlichen Gebiet der Anhöhe in Richtung Basel. An den südlichen Hängen gibt es nur vereinzelte Bautätigkeit. Das Gebiet «Ob dem Hölzli» auf einer Anhöhe in Richtung Bottmingen ist praktisch komplett unbebaut. An der scheinbar steilsten Stelle allerdings tauchen ab 1929 einige Gebäude auf. Eines davon ist das Wohnhaus Schmidt-Kohl an der Hölzlistrasse 15, ein Wohnhaus ohne Kompromisse. Die Publikation «Bauten im Baselbiet» nennt den Kunsthistoriker Georg Schmidt-Kohl, seines Zeichens späterer Direktor des Basler Kunstmuseums als Bauherr. Sowohl er, als auch sein älterer Bruder Hans Schmidt waren Verfechter der modernen Architektur. Der Auftrag für den Neubau des aus einem Sockel-, Erd- und Dachgeschoss bestehenden Gebäudes mit Pultdach ging demnach an Hans Schmidt und dessen Büropartner Paul Artaria.

Das Wohnhaus beinhaltete ursprünglich eine Wohnung für Georg Schmidt-Kohl mit Familie und eine Einliegerwohnung. Der Holzbau in Riegel- und Zangenkonstruktion zielte auf eine Typisierung und Standardisierung im Minimalwohnungsbau ab. Die Innenräume orientierten sich sowohl in ihren Abmessungen als auch in der gestalterischen Ausschmückung am nötigen Minimum. Die Bezeichnung der Schlafräume als «Schlafkojen» und die Verwendung einer Rohrheizung erinnert an die notgedrungen rationale Schiffsarchitektur. Eine vertikale Holzlattung zieht sich als äusserer Abschluss über die gesamte Fassade. Bei Einreichung des Baugesuchs allerdings war die definitive Bauweise noch nicht klar. Wie der Würdigung durch Claudio Affolter im Bauinventar des Kantons Basellandschaft BiB zu entnehmen ist, enthielt das Baugesuch nämlich auch eine Variante in Massivbauweise. Die Kellerwände wären demnach in Kiesbeton ausgeführt worden, die Wände der darüberliegenden Geschosse in Bimshohlblocksteinen. In den Decken wären Bimsbetonrippen und Doppel-T-Eisenträger zum Einsatz gekommen. Schlussendlich aber obsiegte die klar wirtschaftlichere, elegantere und konstruktiv sinnvollere Variante in Holz.

1947 ergänzte Hans Schmidt die Südseite des Hauses um eine Laube, die Nordseite 1954 um ein Atelier. Die ursprünglichen südseitigen Schiebefenster mit Einfachverglasung wurden 1980 erneuert, ebenso die Lamellenstoren. Die vormals grau gestrichene Fassade ist heute komplett in weiss gehalten.

Wohnhaus Schmidt-Kohl
Funktion: Wohnen
Adresse: Hölzlistrasse 15, 4102 Binningen
Baujahr: 1929
Architektur: Hans Schmidt, Paul Artaria
Anbauten: 1947 (Laube), 1954 (Atelier)


Text:
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Fotos:
– © Börje Müller Fotografie
Quellen:
– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet: eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0
– Affolter, C. im Auftrag der Denkmalpflege BL (2002), Bauinventar Kanton Basel-Landschaft BIB, Gemeinde Binningen

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