50 Tonnen Salz pro Stunde: Eindampfungshalle Rheinsalinen Pratteln | Baselbieter Baukultur #62

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In Pratteln wird seit 1837 Salz produziert. War die Stadt Basel anfangs noch Hauptkunde, so wird heute für die ganze Schweiz Salz gewonnen. Bestanden die Anlagen zu Beginn noch aus wenigen Pumpanlagen und Siedehäusern, so sind in den darauffolgenden Jahren einige sehenswerte Industriegebäude hinzugekommen.

Eindampfungshalle Rheinsalinen, Pratteln © Börje Müller Fotografie

Eindampfungshalle Rheinsalinen, Pratteln © Börje Müller Fotografie

1964 entwarfen Burckhardt Architekten eine 43 × 35 Meter grosse Halle, etwas zurückversetzt von der Strasse zwischen dem Maschinen- und Kesselhaus und den Rangier- und Ladegeleisen auf dem Werksgelände. Die Halle besteht aus einem hohen Gebäudeteil mit geschlossener Südfassade und einem kleineren Nordtrakt. Die Nordfassaden beider Trakte sind mit Profilitglasscheiben ausgefacht. Die beiden Stirnseiten sind bis auf wenige horizontale – und im Übergang der Volumen vertikalen – Bandfenster geschlossen. Zwei stirnseitig angebrachte Brücken verbinden die Eindampfungshalle mit den Nebengebäuden. Zwischen Halle und Geleisen stehen zehn verschiedengrosse Silos und Tanks. Über das Treppenhaus im Westen werden die verschiedenen Geschosse erschlossen. Beide Gebäudeteile sind mit einem eingängigen, rautenförmig verkleideten Faltdach überdeckt. Wohl versuchten die Architekten damit, die Kristallstruktur des Salzes zu interpretieren. Hans Hoffmanns Kraftwerk in Birsfelden und Max Schneiders Industriehallen Hardwasser in kürzester Nachbarschaft lassen herzlich grüssen!

Eindampfungshalle Rheinsalinen, Pratteln © Börje Müller Fotografie

Eindampfungshalle Rheinsalinen, Pratteln © Börje Müller Fotografie

Der Bau besteht aus einer Stahlskelettkonstruktion. Da man aufgrund der Salzgewinnung eventuelle Bodensetzungen im Gebiet des Industrieareals vermutete, wurde die Konstruktion horizontal und vertikal ausgesteift. Die Oberflächen der Stützen und die Untersicht der Zwischendecken sind im Inneren aus Sichtbeton. Die Böden sind zementös oder gefliest.

Längsschnitt der Eindampfungshalle Rheinsalinen, Pratteln

Längsschnitt der Eindampfungshalle Rheinsalinen, Pratteln

Die Halle besteht aus einem Apparate-, Trocken- und Kompressorenraum. Mittels Verdampfung wir der Sole das Wasser entzogen und das Salz auskristallisiert. Konnte mit der ersten Anlage, bestehend aus vier Verdampfern weniger als zehn Tonnen Salz pro Stunde gewonnen werden, so produziert die 1971 und 1982 um weitere Verdampfer ergänzte Anlage heute mehr als fünfzig Tonnen Salz pro Stunde. Dies entspricht einer Viertelmillion Tonne Salz im Jahr.

Text: Simon Heiniger / Architektur Basel


Eindampfungshalle Rheinsalinen Pratteln
Adresse: Rheinstrasse 50, 4133 Pratteln
Architektur: Burckhardt Architekten
Baujahr: 1964
Funktion: Industrie (Salzgewinnung)


Fotos:
– © Börje Müller Fotografie
Quellen:
– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet: eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0
– Affolter, C. im Auftrag der Denkmalpflege BL (2006), Bauinventar Kanton Basel-Landschaft BIB, Gemeinde Pratteln

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