Das «Pratteler Hilton» | Baselbieter Baukultur #2

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Pratteln als Industriestandort
Pratteln kann mit Verlaub als Sonderfall im Baselbiet bezeichnet werden, hat die an ihren Einwohnerinnen und Einwohnern gemessen viertgrösste Gemeinde im Kanton doch eine beispiellose Entwicklung hinter sich – und vor sich, denken wir an das Entwicklungsgebiet Salina-Raurica zwischen Pratteln, August und Schweizerhalle. Eines der grössten Projekte dürfte das Coop Produktionszentrum von 2016 sein. Die Industrie hat sich in Pratteln aber schon vor mehr als 100 Jahren angesiedelt. Während sich im Gebiet Pratteln Nord und Ost vorwiegend Handels- und Dienstleistungsbetriebe niedergelassen haben, hat in Firma «J. Rohner, Chemische Fabrik» seit 1906, heute «Rohner AG» im Westen von Pratteln ihren Produktionsstandort. Im Folgenden werfen wir einen Blick auf einige interessante, dem Industriecampus angehörenden Gebäude. Die bereits vor 1900 etablierte Salzgewinnung und deren denkmalgeschützte Architektur wird später thematisiert.

Industriebau Rohner AG
Fährt man mit dem Zug durch Pratteln, ist der rechtwinklig zum Bahngleis angeordnete Riegelbau unschwer zu erkennen. Der Industriebau von 1974 mit neun Obergeschossen plus Dachaufbau mit seinen nach aussen gekehrten funktionalen Elementen – etwa den umlaufenden Fluchtbalkonen – ordnet sich in die zeittypische Industriearchitektur ein, wie wir sie beispielsweise aus dem Basler Klybeck kennen. Im Gegensatz zur harten und zweckmässigen Erscheinung der vorgefertigten Betonelementen, sind die Rahmen der vollflächigen Verglasungen aus Holz. Die beiden Schmalseiten hin zu den Geleisen und zum Dorf sind geschlossen.

Industriebau «Pratteler Hilton», Pratteln © Börje Müller Fotografie

Industriebau «Pratteler Hilton», Pratteln © Börje Müller Fotografie

Die optische Verwandtschaft gilt aber nicht nur anderen Industriebauten, sondern auch dem inzwischen rückgebauten Hotel Hilton in Basel, weshalb der Industriebau den Übernamen «Pratteler Hilton» trägt. Aus dem anfänglichen Projekt, vier gleiche «Hiltons» entlang der Geleise zu bauen wurde nichts. Wer sich weiter für die Entwicklungsgeschichte von Pratteln interessiert, dem sei die sehr ausführliche Heimatkunde von 2003 wärmstens empfohlen. Nächste Woche widmen wir uns der Verwaltung und Wohlfahrt des Industrieareals.

Industriebau «Pratteler Hilton», Pratteln © Börje Müller Fotografie

Industriebau «Pratteler Hilton», Pratteln © Börje Müller Fotografie

Funktion: Industriebau
Adresse: Güterstrasse 39 / Gempenstrasse, 4133 Pratteln
Bauzeit: 1972-1974
Architektur: Ueker Architekten
Konstruktion: Eisenbeton-Fertigteile / Holzrahmenfenster


Text:
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Fotos:
– © Börje Müller Fotografie
Quellen:
– Hasche, K. & Hanak, M. (2010), Bauten im Baselbiet: eine Architekturgeschichte mit 12 Spaziergängen, Schwabe AG, Basel. ISBN: 978-3-7965-2664-0
– Arbeitsgruppe Heimatkunde Pratteln (2003), Heimatkunde Pratteln 2003, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal. ISBN: 3-85673-540-2

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